sport
Freitag, Februar 25, 2005
 
Der Südligenbericht von Catherine Zeta-Bohlen:
Eigentlich wollte ich hier näher auf ein Interview mit Dick Advocaat, Ex-Bondscoach und zur Zeit Trainer von Borussia Mönchengladbach (traditionsreicher Verein aus der ersten deutschen Bundesliga), im Berliner Tagesspiegel eingehen aber die Südligen machen mal wieder mächtig Druck. Denn wenn mich alles täuscht, ist Dick Advocaat sowas wie der Oswald Spengler unter den europäischen Trainern und außerdem hat der so schöne blaue Augen. Wem nun weder Dick Advocaat noch Oswald Spengler etwas sagt, der ist hier an der richtigen Stelle.
La Liga: Ein gutes Wochenende für Basken und Katalanen. Athletic Bilbao stopfte Real in Madrid das freche Maul, das schon verbal die Aufholjagd auf Barca eingeläutet hatte. Die Spekulationen über die zu dünne Personaldecke des FC Barcelonas im Gegensatz zu der gut ausgestatteten von Real wurden an diesem Wochenende zunichte gemacht. Real-Trainer Luxemburgo ließ einige Stars auf der Bank, damit die sich für die Champions League schonen, und zuerst spielten Madrilenen sogar Fußball, bis Bilbaos Tiko von der Mittellinie abzog und der Ball von der Querlatte ins Tor sprang. Der Treffer wurde jedoch nicht gegeben, doch riss Bilbao dafür nun das Spiel an sich und gewann ziemlich ungefährdet mit zweinull. Barca hatte zu Hause gegen die Kollegen aus Mallorca am Anfang Mühe (Valdès, mit neuer, etwas merkwürdiger Frisur, hielt in der 12. Minute einen höchst strittigen Elfer), doch zwei Treffer von Deco ließen die Arbeitszeit der Barca-Kicker relativ ruhig verlaufen und verschafften den Katalanen wieder einen sieben-Punkte-Vorsprung auf Real. Mallorca rutschte wieder auf den vorletzten Rang. Zu Valencias Trainer Ranieri können wir bald Adiós sagen, schon wieder verloren, 0:1 gegen Santander. Und nochwas: Lieber Fernando Torres, schön, dass Du zu Barca willst!
Serie A: Aber das ist ja noch alles nichts gegen Italien, da reiben sich nämlich Berlusconi, Bud Spencer u.a. die Hände: Machtwechsel, Milan ist Tabellenführer, an Juve vorbeigezogen (wenn auch nur auf Grund des bessseren Torverhältnisses), die bei Messina ohne Nedved und Trezeguet arg langweilig agierten und nullnull spielten. Milan war zwar auch einfallslos, machte es aber spannend. Ein Tor in der Nachspielzeit von Serginho entschied die Partie. Inter standesgemäß mit einem Unentschieden bei Udinese. AS und Lazio Rom können ihre Spiele gewinnen und auch Sampdoria Genua ist weiter siegreich und arbeitet sich auf Rang fünf vor.
Dämon Trikotwerbung: 14 Mio jährlich plus Erfolgsprämien soll der Elektronik-Konzern Hitachi Barca für Trikotwerbung bieten und könnte damit des ewige Gesetz des werbefreien Trikots der Katalanen brechen. Die neue Clubführung tut zwar immer so, als seien sie die geilsten, aber trotzdem dringt fast monatlich die Hiobsbotschaft durch, man wolle sich nun bald entscheiden, ob Werbung aufs Trikot kommt. Ja, auch ich hab schonmal davon gehört, dass Fußball nichts mit Romantik zu tun hat, aber ein bisschen mit Ästhetik. Wird man Barca also bald mit Akkubohrern und Staubsaugern in Verbindung bringen, oder bleibt die Welt so wie sie immer war, mit Barca-Trikots ohne Werbung?
High Noon im Abendland – die große Schlacht um den Ballbesitz: Die derzeit beiden besten Clubs Europas, Chelsea und Barca treffen am Mittwochabend in Barcelona aufeinander und wer dieses Spiel nicht kuckt, braucht wirklich eine verdammt gute Begründung, z.B. Schichtdienst, plötzlich einsetzende Wehen mit anschließender Geburt oder ein Putsch, der nicht verschoben werden kann.

Advocaat Interview hier:
http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/17.02.2005/1651971.asp